Selten sind die Nächte ruhig

Förderverein übergibt Spende von 40.000 Euro an den Nachtdienst der Bahnhofmission

Viele Spender und Unterstützer trugen dazu bei, dass der Förderverein Bahnhofmission auch heuer wieder eine stattliche Spendensumme in Höhe von 40.000 Euro für den Nachtdienst der Bahnhofmission überreichen konnte. Bild: Förderverein Bahnhofmission

Wieder hörte die Nachbarin Schreie. Angstvolle Schreie. Klagelaute. Diesmal wollte sie handeln. Sie rief die Polizei. Die kam auch – und nahm die Frau aus der Wohnung nebenan mit. „Ihr Mann hatte sie bedroht“, erzählt Jan Bläsing von der Bahnhofsmission. Ein Platz im Frauenhaus war nicht frei. Deshalb brachte die Polizei die Frau am späten Dienstagabend zu ihm. Dass die Bahnhofsmission nach wie vor einen 24-Stunden-Dienst aufrecht erhalten kann, ist dem Förderverein der Bahnhofsmission zu verdanken.

Das ganze Jahr über sammelt der Förderverein Spenden und Sponsorengelder. Bei einem Empfang für alle Unterstützer konnte am Mittwoch abermals eine große Spendensumme überreicht werde. 40.000 Euro übergab der Vorstand des Fördervereins an Günther Purlein, Geschäftsführer der ökumenischen Christophorus-Gesellschaft, von der die Einrichtung am Würzburger Hauptbahnhof getragen wird. Damit wuchs die Spendensumme des Fördervereins allein für den Nachtdienst auf inzwischen über 150.000 Euro an. „Insgesamt haben wir in den vergangenen 13 Jahren über 350.000 Euro eingesammelt“ so Vereinsvorsitzender Helmut Fries.

Das Beispiel der Frau, die am Dienstagabend vor ihrem Mann floh, zeigt laut Bläsing, wie unverzichtbar der Nachtdienst ist. „Bei uns erhielt die Frau nicht nur eine Übernachtungsmöglichkeit“, so der Mitarbeiter der Bahnhofsmission. Sie durfte sich duschen. Erhielt spätabends noch Tee. Es wurde ein Dolmetscher organisiert: „Denn sie sprach nur Türkisch.“ Inzwischen ist die Mittvierzigerin, die wiederholt von ihrem Mann bedroht wurde, in einem Würzburger Frauenhaus untergebracht. Auch das hatte das Team der Bahnhofsmission organisiert.

„Fast jede Nacht ist etwas los“, sagt Magdalena Breitenhuber, die seit November neben ihrem Studium der Sozialen Arbeit einmal in der Woche einen Nachtdienst übernimmt. Seit sie das tut, hat sie eine völlig andere Vorstellung davon, welche Gesichter „Armut“ in Würzburg hat. „Früher dachte ich, in die Bahnhofsmission kommt der obdachlose Mann Mitte vierzig “, sagt sie. Doch die Bahnhofsmission ist Anlaufstelle für sehr viele Menschen in ganz unterschiedlichen Notlagen: „Das reicht von der jungen Frau, die von Drogen abhängig ist, bis hin zum alten Mann, der kaum Geld hat und verwirrt durch Würzburg stromert.“

Über 46.300 Mal wurde die Bahnhofsmission im vergangenen Jahr von Menschen in Not kontaktiert. Diese Zahl geht aus der neuen Imagebroschüre des Fördervereins hervor, die beim Empfang am Mittwoch vorgestellt wurde. Die Statistik listet eindrucksvoll auf, dass die Bahnhofsmission immer wichtiger wird. 2008, also vor zehn Jahren, registrierte das Team der Einrichtung erst 34.150 Kontakte. Das bedeutet eine Zunahme von 35 Prozent.

„Dass es die Bahnhofsmission gibt, ist auch für uns Pfarrerinnen und Pfarrer sehr wichtig“, betonte Kirsten Müller-Oldenburg von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Eisingen-Kist-Waldbrunn. Sie erinnert sich an einen wohnungslosen Mann, der einmal bei ihr in der Gemeinde auftauchte. „Wir hätten ihm natürlich für eine Nacht ein Obdach geben können, doch es war klar, dass dieser Mann auch psychosoziale Unterstützung brauchte“, sagt sie. Deshalb wurde er in die Bahnhofsmission gebracht: „Hier gibt es Fachkräfte, die solche Menschen auffangen können.“

Die Spenden des Fördervereins sind notwendig, um die Qualität des Angebots aufrechtzuerhalten, erklärt Fredy Arnold von der Christophorus-Gesellschaft: „Wir brauchen Gönner und Unterstützer.“ Die Bahnhofsmission zeichnet sich in seinen Augen dadurch aus, dass sie ein „beständiges Programm in einer unbeständigen Gesellschaft“ bietet. Während sich alles wandelt und die Menschen sich immer wieder auf Neues einstellen müssen, können sich die Gäste der Bahnhofsmission darauf verlassen, dass sie heute wie gestern unverändert Hilfe erhalten.

„Hier erfahren Menschen in Not Nähe“, so Clemens Bieber, Vorsitzender des diözesanen Caritasverbandes. Sie erleben, dass es andere gibt, die für sie da sind: „Das macht Mut für den nächsten Schritt auf dem Weg.“ In diesem Sinne werde in der Bahnhofsmission „ein Stück lebendiger Glaube praktiziert.“

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