Warum die MAV so wichtig ist

Mitarbeitervertretung der Christophorus-Gesellschaft beugt psychischer Überlastung vor

Barbara Leim (links) und Claudia Scheb setzen sich für die Interessen des Personals in der Christophorus-Gesellschaft ein. Bild: Günther Purlein

Treffen sie sich in ihrem Büro in der Würzburger Wallgasse, stehen immer viele Themen auf der Agenda: Barbara Leim, Claudia Scheb und Robert Morfeld kümmern sich um alles, was die Beschäftigten der Christophorus-Gesellschaft bewegt. Das tun sie als sogenannte „Mitarbeitervertretung“ (MAV), wie das kirchliche Pendant zum Betriebsrat heißt. In Zeiten, in denen sich die gesellschaftlichen Problemlagen zuspitzen, wird es für soziale Organisationen immer wichtiger, eine gute MAV zu haben, sagen die drei.

Für die 50 Beschäftigten gibt es immer wieder mal Anlass, sich an die MAV der Christophorus-Gesellschaft zu wenden. „Das können zum Beispiel Fragen zum Urlaub sein“, sagt Claudia Scheb. Wie viel Urlaub steht jemandem zu? Was passiert, wenn man im Urlaub krank wird? Mit solchen Anliegen befasst sich das Trio der MAV in seinen vierzehntägigen Sitzungen. Auch Fragen und Konflikte rund um die Gestaltung der Dienstpläne sind nicht selten. Insgesamt kommt es rund 40 Mal im Jahr vor, dass sich die Beschäftigten in den verschiedenen Einrichtungen der Christophorus-Gesellschaft an die Mitarbeitervertretung wenden.

Dass die drei mal keine Zeit haben für das, was ihre Kollegen gerade bedrückt, kommt kaum vor. Meist reagieren sie prompt. Nur wenn eine Anfrage ausführlichere Recherchen notwendig macht, dauert es mit der Antwort etwas länger. „Wir engagieren uns alle ehrenamtlich in der Mitarbeitervertretung, werden aber von unserem Arbeitgeber entlastet“, erklärt Scheb. Die Sozialpädagogin arbeitet im Johann-Weber-Haus, wo Männer in Krisensituationen, die im Gefängnis saßen oder ihre Wohnung verloren haben, sozial therapiert werden. „Wegen meiner MAV-Tätigkeit muss ich mich um weniger Klienten kümmern“, sagt Scheb.

Manchmal sind Konflikte am Arbeitsplatz so verfahren, dass keiner mehr weiß, worum es ursprünglich einmal ging. Barbara Leim, Claudia Scheb und Robert Morfeld setzen alles darin, um von vornherein zu verhindern, dass Konflikte eskalieren. Sie suchen im frühen Stadium nach Lösungen, mit denen alle Beteiligte leben können, und tragen auf diese Weise zu einem harmonischen Betriebsklima bei.

Eine gute MAV leistet auch einen Beitrag dazu, Burnout zu vermeiden. Dieser Punkt spielt in den Einrichtungen der Christophorus-Gesellschaft laut Barbara Leim eine immer größere Rolle. Die Klienten, so die langjährige Mitarbeiterin der Bahnhofsmission, werden schwieriger. Das hat gesellschaftliche Gründe: Wer heute aus prekären Verhältnissen kommt, hat es sehr viel schwerer als in früheren Jahren, sich aus dem „Sumpf“ herauszuarbeiten. Jobs für Menschen mit geringer Bildung werden im Zeitalter der Digitalisierung zunehmend rarer. Die Perspektivlosigkeit sorgt für Frust, der sich manchmal in den Einrichtungen der Christophorus Gesellschaft entlädt.

Die Betroffenen empfinden es tief innen als Unrecht, dass sie herumkrebsen müssen, während andere im Luxus leben. Das Gute, das ihnen in den Einrichtungen der Christophorus-Gesellschaft geschieht, können sie vor lauter negativen Gefühlen nicht mehr wertschätzen. „So kommt es immer wieder vor, dass Kollegen von uns ernsthaft bedroht werden“, sagt Barbara Leim. So etwas lässt sich nicht so leicht abschütteln. Vor allem beim ersten Mal. Drohungen verunsichern und sorgen manchmal für schlaflose Nächte. „Wir sensibilisieren dafür, in diesem Fall eine Unfallanzeige bei der Berufsgenossenschaft zu stellen“, sagt Leim.

Diese Anzeigen kommen auf den Tisch, wenn sich die MAV zu ihrer nächsten Sitzung trifft. Die Häufigkeit derartiger Vorkommnisse spiegelt gleichzeitig wieder, womit es die Beschäftigten im schwierigen sozialen Feld der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe zu tun haben. Ein genaues Bild zu bekommen, ist wiederum wichtig, um Maßnahmen anzuregen. Das könnte zum Beispiel ein Deeskalationstraining sein.

Die Christophorus-Gesellschaft wird als Arbeitgeber sehr geschätzt. Dieses Ergebnis aus dem Jahr 2018 können Barbara Leim, Claudia Scheb und Robert Morfeld bestätigen. Die Geschäftsführung lege auf einen fairen Umgang mit den Beschäftigten Wert, sagen sie. Auch wenn es hier und da kleinere Konflikte gibt, so Scheb: „Vors kirchliche Arbeitsgericht haben wir noch nie ziehen müssen.“

Günther Purlein

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