Menschen, die sozial ganz unten waren, brauchen Arbeit und Wohnraum, um sich wieder gesellschaftlich integrieren zu können, betont Claudia Scheb, die das Johann-Weber-Haus leitet.
02. Februar 2026
Autor: Nadia Fiedler

Als alle Brücken abgebrochen waren

Johann-Weber-Haus hilft nach dem Absturz bei der neuerlichen sozialen Integration

Die Dinge schwernehmen, bringt nichts. Auch wenn sie schwierig sind. „Ich bin niemand, der dasitzt und Trübsal bläst”, sagt Stephan A. (Name geändert) aus dem Johann-Weber-Haus der Würzburger Christophorus-Gesellschaft. Der 24 Jahre alte Anlagenmechaniker arbeitet sich gerade von ganz unten wieder nach oben. Immerhin hat er, der fast ein Jahr auf der Straße lebte, endlich wieder einen Job. Jetzt müsste es noch mit der Wohnungssuche klappen. Doch das gestaltet sich schwierig.

Noch vor zwei Jahren hätte Stephan A. nicht gedacht, wie schnell sich Lebensträume zerstören lassen. Er fand eine nette Frau. Bald nach dem Kennenlernen zog er zu ihr. Dann ging die Beziehung auseinander. Er, der für sie alle Brücken hinter sich abgebrochen hatte, war plötzlich arbeits- und obdachlos. Nach über 200 Bewerbungen klappte es endlich mit einer neuen Stelle: Stephan. A. ist seit September bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt. Die vermittelte ihn als Verkäufer in einen Baumarkt. Dort geht er gern hin: „Ich mag meine Kollegen, ich mag die Kunden, die Arbeit ist interessant.” Allerdings: Stephan A. erhält lediglich Mindestlohn.

„Ich mag meine Kollegen, ich mag die Kunden, die Arbeit ist interessant.”

Das bedeutet, dass er gegenüber seinen Kollegen 700 Euro netto weniger in der Tasche hat. Obwohl er dasselbe tut. Obwohl er sich genauso stark engagiert. Schlimm ist das deshalb für ihn, weil er, obwohl er arbeitet, weiterhin von Sozialleistungen abhängig ist. Mit dem, was er verdient, wird er sich keine Wohnung leisten können. Es heißt also wieder und trotz Job, Anträge zu stellen: „Eigentlich wollte ich nie mehr etwas mit Ämtern zu tun haben.” Seine Erfahrungen während der Zeit der Obdachlosigkeit waren ungut. Das dauernde Antragstellen. Das Zuständigkeitsgerangel. Das Warten auf Genehmigungen: „Es war ein ständiges Kuddelmuddel.“

Wie man planmäßig vorgeht, wenn das eine Amt dies, das andere jenes verlangt, wenn dies noch zu beschaffen ist und jenes fehlt, wissen viele Menschen nicht, die auf Transferleistungen angewiesen sind. Alles erscheint undurchsichtig. Chaotisch. Überfordernd. Gerade hier hilft das Team des Johann-Weber-Hauses. Auch in die Angelegenheiten von Stephan A. wurde allmählich Ordnung gebracht. Dafür ist der Twen ungeheuer dankbar. Jetzt hofft er nur noch, die Probezeit in seinem Job zu überstehen und dauerhaft angestellt zu werden. Vielleicht sogar zu einem besseren Lohn.

„Doch für unsere Männer wird es immer schwieriger, Arbeit zu finden“

Arbeit gehört für viele Menschen zu den wichtigen Stabilitätsfaktoren im Leben. Zu erfahren, dass man seine Arbeit gut macht, stärkt das Selbstvertrauen. Arbeit kann Freude bereiten. Bereichern. „Doch für unsere Männer wird es immer schwieriger, Arbeit zu finden“, sagt Claudia Scheb, die das Johann-Weber-Haus leitet. Stephan A. ist eine Ausnahme: „Früher konnten viel mehr unserer Männer auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen.” Das liegt daran, dass Hilfsarbeiterjobs weggebrochen sind. Zudem liegen bei vielen Klienten, obwohl sie noch jung sind, so alt oder wenig älter als Stephan A., komplexe Problemlagen vor.

Stephan A. hat in den letzten Jahren erfahren, mit wie großen Schwierigkeiten es verbunden ist, von ganz unten wieder nach oben zu kommen. Nachdem es überall heißt, Fachkräfte würden händeringend gesucht, hätte er sich nicht vorstellen können, dass es so schwierig werden würde, Arbeit zu finden. Und das, obwohl er als Anlagenmechaniker einen guten Beruf hat. Bis zum Bruch mit seiner Freundin war er auch immer im Job: „Ich ging früh‘s zur Arbeit und kam abends heim, daneben habe ich mich bei der Feuerwehr engagiert.” Nachdem er nun einen Job hat und neu durchstarten kann, erlebt er, wie es auf dem Wohnungsmarkt zugeht: „Ich kassiere auf meine Bewerbungen eine Absage nach der anderen.“

„Ich kassiere auf meine Bewerbungen eine Absage nach der anderen.“

Ein Unternehmen zu finden, das ihn tariflich entlohnt, und endlich wieder eine eigene Wohnung nach einem Jahr im Johann-Weber-Haus zu haben, nichts würde sich der 27-Jährige mehr wünschen. Stephan A. lässt die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Doch selbst seine bescheidenen Träume scheinen schwer realisierbar.

Zum Glück besitzt er Energie und Optimismus. Viele Männer aus dem Johann-Weber-Haus verfügen nicht über die Power von Stephan A., der vor zehn Jahren mit seiner Familie brach und sich seitdem alleine durchs Leben boxt. An seinem Beispiel wird deutlich: Es bräuchte wesentlich mehr Unterstützung für Menschen, die sozial abgestürzt sind. Aktuell entwickelt sich die Sache eher in die andere Richtung, weg vom Fördern wieder hin zu mehr Forderungen, bedauert Claudia Scheb: „Die neue Grundsicherung mit ihren Sanktionen macht uns Sorgen.“

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