Plötzlich ist zu viel auf dem Konto
Aktionswoche Schuldnerberatung dreht sich vom 15. bis 19. Juni um Pfändungsschutz
Hanna T. ist sehr für eine gesunde Lebensweise. Für gesunde Kost. Für sich und ihre Kinder. Aber im Moment muss sie billigst einkaufen. Denn sie hat Schulden. Nur das, was sie auf dem Pfändungsschutzkonto hat, kann sie ausgeben. Dass sie ein sogenanntes P-Konto besitzt, ist schon mal gut, sagt Robert Morfeld von der Schuldnerberatungsstelle der Würzburger Christophorus-Gesellschaft. Allerdings läuft es damit nicht so richtig rund. Denn es klaffen auch 16 Jahre nach Einführung noch Regelungslücken.
Hanna T., die keinen Ehepartner mehr und auch noch keinen neuen Lebensgefährten hat, muss sich und ihre beiden Kinder ganz alleine mit einem Teilzeitjob durchbringen. Das ging aufgrund der Teuerungen irgendwann nicht mehr. Drum hat sie Wohngeld beantragt. Darauf musste sie neun Monate warten. „Dann kam das ganze Geld auf einmal“, berichtet Robert Morfeld. Nahezu 3.000 Euro trudelten auf einen Schlag ein. Viel zu viel für ein Pfändungsschutzkonto. Nun benötigt Hanna T. einen Freigabebeschluss vom Vollstreckungsgericht. Auch das dauert, sagt Robert Morfeld anlässlich der „Aktionswoche Schuldnerberatung“, die sich vom 15. bis 19. Juni um das P-Konto dreht.
Werde ich die nächste Miete überweisen können? Werde ich die Wohnung verlieren?
Mal mit ihren Kindern essen zu gehen, geschweige denn in den Ferien in den Süden zu fahren, all das ist für Hanna T. utopisch. Sie spart. Und spart. Nachts liegt sie wach und denkt: Werde ich die nächste Miete überweisen können? Werde ich die Wohnung verlieren?
Die Zeit verstreicht und noch immer lässt der Freigabebeschluss vom Vollstreckungsgericht auf sich warten. Hanna T. wird immer nervöser. Schläft immer schlechter. Geholfen wäre ihr, würde endlich gesetzlich eindeutig geregelt: Wohngeld ist grundsätzlich nicht pfändbar. Weder an der Quelle, also direkt bei der Wohngeldstelle, noch dann, wenn das Geld aufs Konto geflossen ist. Und zwar selbst dann nicht, wenn, aufgrund monatelanger Verzögerungen, ein ganzer Batzen Wohngeld auf einmal aufs Konto fließt. Dass diese Lücke endlich geschlossen wird, das fordert die „Aktionswoche Schuldnerberatung“ in diesem Jahr.
„Unsere Klientenzahlen sind von 2023 auf 2024 als auch von 2024 auf 2025 um jeweils zwölf Prozent gestiegen”
Konsumschulden, Mietrückstände, vielleicht auch eine Geldstrafe oder eine Vielzahl nicht mehr überschaubarer Mikrokredite: Immer mehr Menschen geraten aktuell in die Schuldenspirale. „Unsere Klientenzahlen sind von 2023 auf 2024 als auch von 2024 auf 2025 um jeweils zwölf Prozent gestiegen”, berichtet Robert Morfeld. Aktuell werden 1.400 Überschuldete aus Stadt und Kreis Würzburg beraten. Auch die Nachfrage nach der „Offenen Sprechstunde” am Donnerstag steigt. Bis 2024 kamen noch weniger als 600 Ratsuchende im Jahr. 2025 nutzten 633 Menschen dieses Angebot. Zum Teil kamen sie, um sich eine Bescheinigung für ein P-Konto ausstellen zu lassen.
Noch immer gibt es gut situierte Bürger, für die es unvorstellbar ist, wie man sich bloß privat in derart gravierende finanzielle Desaster verwickeln kann. Aber das ist nicht schwer. Im Gegenteil, sagt Robert Morfeld. Die meisten Menschen, die im Augenblick von den Experten der Würzburger Christophorus-Gesellschaft beraten werden, schlitterten unerwartet durch eine Erkrankung oder einen Unfall in die Schuldenfalle hinein. Bei dem einen ist es ein schwerer Burnout. Bei dem anderen ein Tumorleiden: „Wir haben Klienten, die mit 35 Jahren erwerbsunfähig sind.”
„Wir haben Klienten, die mit 35 Jahren erwerbsunfähig sind.”
Vielleicht hatten sie einst einen richtig guten Job gehabt, hatten sich regelmäßig etwas zur Seite gelegt, hatten gedacht, dass ihnen mit diesem finanziellen Vorsprung nichts passieren kann. Doch wer dauerhaft krank wird, wer gar nicht mehr auf die Beine kommt, dem nützt der erarbeitete Vorsprung nur für vergleichsweise kurze Zeit. Plötzlich sind alle Reserven weg. Trotzdem der Gürtel enger geschnallt wurde. Plötzlich ist nichts mehr da. Schulden entstehen. Plötzlich tauchen Gläubiger auf. Dann ist es gut zu wissen, dass es in Würzburg Fachmänner und Fachfrauen gibt, die weiterhelfen.
Natürlich können sie kein Bündel Geldscheine besorgen und Schulden begleichen, auch können sie nicht immer die Wohnung retten, doch sie vermitteln wichtige Informationen. Zum Beispiel, dass man sich unbedingt um ein Pfändungsschutzkonto kümmern sollte, wenn Gläubiger drohen. Wer das nicht von sich aus tut, dem kann vom Konto bis auf den letzten Cent alles weggepfändet werden. Außerdem wird darüber informiert, dass jeder Mensch seit 2016 das Recht auf ein Basiskonto hat.
Es gibt nach wie vor Leute, die kein Konto besitzen oder, weil ungünstige Umstände zusammentrafen, ihr Bankkonto verlieren. Nun ist nicht jede Bank ohne Umstände bereit, den Anspruch auf ein Basiskonto zu erfüllen. Auch in diesem Fall helfen die Beraterinnen und Berater der Christophorus-Gesellschaft. Und zwar stets solidarisch. Ohne Moralkeule. Verständnisvoll. Und sensibel.
Ihre Spende hilft
uns, um zu helfen!
Mit dieser Spende unterstützen Sie die Arbeit der Christophorus-Gesellschaft. Wir verwenden Ihre Spende dort, wo sie im Moment am Nötigsten gebraucht wird.