Zusammen mit Einrichtungsleiterin Andrea Dehler bereitet Jan in der Wärmestube eine Gemüsesuppe zu.
15. April 2026
Autor: Nadia Fiedler

Wärmestube sucht Küchenfee

Durch neues Mobiliar soll das Essensangebot für arme Menschen ausgeweitet werden

Eine Küche mit allerlei elektrischen Geräten, einem Mixer etwa oder einem Zerkleinerer, mit Messern, die richtig gut schneiden, und Edelstahltöpfen: Davon kann Jan nur träumen. Jan hat keine Küche. Jan hat überhaupt keine Wohnung. „Ich lebe seit einem Jahr draußen”, erzählt der Würzburger Wärmestubenbesucher. Das ist nicht schön. Natürlich nicht. Aber immerhin gibt es die Wärmestube als Anlaufstelle. Hier hält sich Jan nicht nur oft auf. Hier frönt er auch einer Leidenschaft: Dem Kochen.

Viele wissen, wie das ist, kommt man vom Tag gestresst nach Hause, vielleicht gab es Ärger im Job, doch plötzlich sind alle Sorgen fortgeblasen, sitzt man mit netten Menschen bei einem leckeren Essen entspannt am Tisch. Andrea Dehler, die gerade mit Jan Gemüse für eine Gemüsesuppe schnippelt, möchte dieses Erlebnis „ihren” Besuchern so oft wie möglich bescheren. Wann immer es geht, kocht sie. Abhängig ist das davon, ob etwas zum Kochen da ist. Meist ist es denn so. „Wir werden reichlich von der Tafel bedacht“, sagt die Einrichtungsleiterin. Allerdings fehlt oft die Zeit zum Kochen. Denn der Andrang in der Wärmestube wird immer größer.

„Wir werden reichlich von der Tafel bedacht“

Andrea Dehler möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass Menschen, die sehr prekär leben, gute Lebensmittel erhalten. In Kürze wird es noch besser möglich sein, dieses Ziel in der Wärmestube zu erfüllen: Mitte Mai erhält die Einrichtung der Christophorus-Gesellschaft über Stiftungsmittel eine neue Küche. „Die wird auch einen Gefrierschrank haben”, sagt Andrea Dehler. Das ist genial, denn dann kann das, was beim Kochen übrigbleibt, oder auch das, was zu viel gespendet wird, eingefroren werden. Diese Möglichkeit gab es bisher nicht.

In die Wärmestube kommen Menschen, die keine Arbeit haben und oft auch, wie Jan, keine Wohnung. Sie leben von Grundsicherung. Oder, wie Ernesto, von einer Minirente, die mit Grundsicherung aufgestockt wird. Fast keiner könnte sich mit dem, was er an Geld zur Verfügung hat, den ganzen Monat lang eigenständig versorgen. „Ich frühstücke jeden Morgen in der Wärmestube”, sagt Ernesto. Brot ist immer da. Und so gut wie immer Käse. Und Aufstriche. Außerdem wird seit einiger Zeit Müsli angeboten. Highlights sind für den 70-Jährigen die von Andrea Dehler veranstalteten Kochevents: „Ich würde so gerne mal wieder Spaghetti mit Hackfleischsauce essen.”

„Ich würde so gerne mal wieder Spaghetti mit Hackfleischsauce essen.”

Sich gesund zu ernähren, ist auch Birgit (Name geändert) wichtig. „Ich mag Gemüse gerne”, erzählt die Wärmestubenbesucherin. Vorhin aß sie zum Frühstück zwei Scheiben Schwarzbrot mit Frischkäse. Am Nachmittag, weiß sie, gibt es Kuchen. Dazu gönnt sie sich eine Tasse Kaffee. Die kostet 30 Cent. Alles andere ist umsonst. Worüber Birgit froh ist. Auch sie lebt seit ein paar Jahren in Armut. Inzwischen kennt sie alle Stellen in Würzburg, wo Arme umsonst essen können. Ein Bekannter von ihr containert. Auch das hilft ihr, zu überleben: „Gerade bekam ich von ihm ein Stück Parmesankäse, der hätte fünf Euro gekostet.“

Dass sie sich absehbar aus ihrer schwierigen Lage wird herauswinden können, das glaubt Birgit nicht. Erzählt sie, der man die Armut nicht ansieht, von ihrem harten Schicksal, verstummt ihr Gegenüber meist. Sich von Essensausgabe zu Essensausgabe zu hangeln, um nicht hungern zu müssen, das würden die meisten Bürger nach kürzester Zeit als äußerst demoralisierend empfinden.

In der Regel können sich „Normalbürger“ ohnehin nicht in die Lebenssituation von Birgit oder von Jan, der den ganzen Winter über im Freien übernachtet hat, hineindenken. Doch Birgit, die schwer krank war und vor wenigen Jahren dem Tod von der Schippe sprang, ist einfach nur glücklich, dass sie überhaupt noch lebt. Und sie ist dankbar, dass sie in der Wärmestube zu essen bekommt. Sie braucht dringend eine neue Brille, erzählt sie. Die spart sie sich im Augenblick sprichwörtlich vom Mund ab.

„An Weihnachten wurden wir regelrecht überschwemmt mit Plätzchen und Christstollen”

Weil immer mehr Menschen darauf angewiesen sind, dass sie möglichst gesundes Essen in sozialen Anlaufstellen erhalten, wünscht sich Andrea Dehler ein oder zwei Ehrenamtliche, die gerne kochen. Vor allem für die Wochenenden wird eine Küchenfee mit Herz für arme Menschen gesucht. Ist die neue Küche eingebaut, würde die Sozialarbeiterin auch gerne Kochkurse anbieten. „Vielleicht einmal im Monat am Freitagnachmittag”, sagt sie. Auch hier wäre es ganz klasse, würde sich jemand finden, der den Besuchern der Wärmestube auf freiwilliger Basis beibringt, wie sie mit geringen Mitteln leckere Gerichte zaubern können.

So froh Andrea Dehler auch immer ist, wenn sie Gemüse, Käse und im allerbesten Fall Biofleisch zum Kochen zur Verfügung hat, so sehr bittet sie darum, nicht einfach irgendwas in der Wärmestube vorbeizubringen. „An Weihnachten wurden wir regelrecht überschwemmt mit Plätzchen und Christstollen”, sagt sie. Natürlich sei es rührend gewesen, wie sich die Menschen um die Besucher der Wärmestube sorgten. Wichtiger als Süßigkeiten seien aber gesunde Lebensmittel, die nicht immer vorhanden sind: „Wir würden uns sehr wünschen, dass uns die Menschen Geld für Essen oder Gutscheine bringen, dann können wir immer genau das einkaufen, was wir brauchen.”

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